Nachhaltigkeitsresearch der Bank Sarasin: Schwellenländer mit Wachstumspotenzial im Gesundheitsbereich

04.10.2011

Schwellen- und Entwicklungsländer haben bezüglich der Gesundheitsversorgung grossen Nachholbedarf. Die aktuelle Studie der Bank Sarasin "Gesundheitsversorgung in Schwellenländern – ein Notfall" nennt zwei Faktoren, die in den Schwellenländern eine Verbesserung der Situation bewirken: Die wachsende Mittelschicht, die ihre Ausgaben für Gesundheit erhöhen kann sowie die verstärkten Investitionen der Staaten in die Gesundheitsversorgung. Fortschrittliche einheimische Anbieter werden davon profitieren. Zwar ist die Anzahl an Unternehmen, die Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekte systematisch in ihren Geschäftsaktivitäten berücksichtigen noch klein, doch es gibt Vorreiter: Anbieter wie der indische Generika-Hersteller Dr. Reddy's, das chinesische TCM-Unternehmen China Shineway oder Genomma Lab aus Mexiko gehören dazu.

Zentrales Ziel einer nachhaltigen Entwicklung ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die aktuelle Studie der Bank Sarasin untersucht konkret die Situation in Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China, die wirtschaftlich weiter entwickelt sind als Entwicklungsländer. Staat, Privatwirtschaft und Konsumenten können hier die notwendigen Verbesserungsmassnahmen in der Gesundheitsvorsorge umsetzen. Aus Sicht des nachhaltigen Investments ist dabei die Verbindung Schwellenländer und Gesundheit ideal: Investitionschancen und sozialer Nutzen gehen Hand in Hand.

Hoher Nachholbedarf

In den meisten Schwellenländern ist die Abdeckung durch Krankenversicherungen noch ungenügend und Patienten tragen einen Grossteil der Gesundheitskosten selbst. Mit zunehmendem Haushaltseinkommen wird gerade die wachsende Mittelschicht die Ausgaben für Gesundheit erhöhen. Die finanziell schwächer gestellten Bevölkerungsschichten profitieren dagegen vom allgemeinen Ausbau der staatlichen Gesundheitsversorgung. In einigen Schwellenländern kommt es zudem analog zu der Entwicklung in Industriestaaten in den nächsten Jahrzehnten zu einer Überalterung der Gesellschaft sowie zu einer Änderung der Lebensgewohnheiten und somit zu einer Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs. Der Bedarf nach Gesundheitsversorgung wird daher in den nächsten Jahren deutlich ansteigen.

Nachhaltigkeitsstudie "Gesundheitsversorgung in Schwellenländern – ein Notfall" erhältlich

Die Studie "Gesundheitsversorgung in Schwellenländern – ein Notfall" der Bank Sarasin (Autor: Andreas Holzer) gibt einen fundierten und kritischen Überblick zum Thema Gesundheit und Schwellenländer und zeigt auf, welche dort ansässigen Gesundheitsunternehmen eine nachhaltige Vorreiterrolle einnehmen. Die Studie ist in deutscher und englischer Sprache gegen eine Schutzgebühr von CHF50 resp. EUR 35 (für Kunden und Medien gratis) erhältlich bei: gabriela.pace@sarasin.ch.

Schwellenländer zeigen Potenzial

Gesundheitsunternehmen in den Bereichen Pharma, Dienstleistungen und Medizinaltechnik werden von der zunehmenden Nachfrage in Schwellenländern profitieren. Anbieter aus Schwellenländern haben aufgrund der an die Gegebenheiten gut angepassten Produkte (z.B. Generika) sowie der teilweisen Bevorzugung durch den Staat Vorteile gegenüber Konkurrenten aus Industriestaaten. Für Schwellenländer ist die Erschwinglichkeit der Produkte oder Dienstleistungen ein zentraler Faktor. Der Erfolg der Unternehmen hängt aber auch von einem erfolgreichen Umgang mit Risiken ab. Generell beginnen Markenwert und Reputationsrisiken in Schwellenländern wichtiger zu werden. Die lokalen Anbieter stehen in Konkurrenz zu westlichen Unternehmen, die viel in den Aufbau von Qualitätssicherung und Markenpflege investiert haben. Es ist davon auszugehen, so die Studie der Bank Sarasin, dass Unternehmen, die bei Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten eine fortschrittliche Position einnehmen, am besten positioniert sind, um diesen Rückstand aufzuholen.

Nachhaltigkeitsrisiken Gesundheitsbranche

NachhaltigkeitsthemenRisiken
Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit Produkte
  • Verzögerte oder verweigerte Zulassung
  • Produktrückzug
  • Hohe Schadensersatzforderungen
  • Schädigung der Marke
Preis/Leistungsverhältnis Produkte
  • Schlechtere Akzeptanz bei Krankenkassen, Bewertungsgremien (z.B. NICE in GB und IQWiG in D) etc.
Qualität und Sicherheit Produktionsprozesse
  • Produktionsstopps durch Regulierungsbehörden
  • Schäden an Anlagen und Umwelt sowie Gesundheits-gefährdung der Mitarbeiter durch Stör- und Unfälle
  • Umsatzeinbussen
Marketingpraktiken (Werbung, Preisgestaltung etc.)
  • Bussen und Vergleichszahlungen aufgrund illegaler Methoden
  • Vertrauensverlust bei Kunden
  • Zunahme des Regulierungsdrucks
Wettbewerbsverhalten
  • Strafzahlungen aufgrund von Korruption oder Preisabsprachen etc.
Zugang zu Medikamenten in Entwicklungsländern
  • Schädigung der Reputation
  • Zwangslizenzierungen durch Staaten
Arbeitsbedingungen
  • Hohe Fluktuationsraten
  • Erschwerte Rekrutierung
  • War-for-Talent
Energie- und Wassereffizienz
  • Steigende Kosten durch hohe Energiepreise
  • Produktionsstandorte in Regionen mit Wasserknappheit

   

Gesunde Investitionsmöglichkeiten

Die aktuelle Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin zeigt, dass die Anzahl der nachhaltigen Gesundheitsunternehmen in Schwellenländern noch begrenzt ist. Gleichwohl gibt es nachhaltige Vorreiter, die vom zu erwartenden Wachstum profitieren werden. Der weltweit grösste Generikaproduzent ist Indien. Das Unternehmen Dr. Reddy's deckt hier mit seinen Produkten in Schwellen- und Entwicklungsländern einige der verbreitetsten Krankheiten ab. In China ist die traditionelle Medizin (TCM) von grosser Bedeutung. Der grösste Hersteller von injizierbaren TCM-Medikamenten ist China Shineway. Ein weiteres klassisches Pharmaunternehmen aus China ist Fosun Pharma. Fosun Pharma entwickelt und produziert u.a. Medikamente in den Bereichen Hepatitis, Diabetes und Tuberkulose. In Südafrika ist das Pharmaunternehmen Aspen der grösste Produzent von antiretroviralen Medikamenten. Aus Nachhaltigkeitssicht ebenfalls gut abgeschnitten hat der zweitgrösste Generikahersteller Südafrikas Adcock Ingram. In Lateinamerika ist das mexikanische Unternehmen Genomma Lab zu nennen, das der grösste nationale Produzent von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten ist. Weitere Nutzniesser des Ausbaus der Gesundheitsversorgung sind Krankenhausbetreiber und Labordienstleister: Life Healthcare aus Südafrika und DASA aus Brasilien sind diesbezüglich zu nennen.

Grosse Märkte: China und Indien als Beispiele

Die chinesische Regierung will die medizinische Grundversorgung für alle Bewohner substanziell verbessern. Waren 2005 erst rund 20% der Bevölkerung durch eine Grund-Krankenversicherung abgedeckt, waren es 2009 bereits 92%. Bis 2020 sollen alle abgedeckt sein. In den nächsten Jahren werden die staatlichen Gesundheitsausgaben zwischen 20-25% jährlich zunehmen. Selbst im Falle von künftig wirtschaftlich schwächeren Phasen ist nicht mit einer substanziellen Abschwächung der Pläne zu rechnen. Für die chinesische Regierung ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des sozialen Friedens. In Indien gibt es bereits heute eine staatliche Gesundheitsvorsorge, die allen Bewohnern unentgeltlich zur Verfügung steht. Diese ist aber noch ungenügend ausgebaut. Private Krankenhäuser nehmen deshalb mehr als die Hälfte der Behandlungen vor. Die meisten Inder zahlen den Grossteil der Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche.


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