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Global View der Bank Sarasin: Risikoaversion wird die globalen Finanzmärkte dominieren

12.10.2010

In ihrem soeben erschienenen Research-Ausblick "Global View" für das vierte Quartal 2010 geht die Bank Sarasin von einer Wachstumsverlangsamung aus. "Double Dip" und "Deflation" dürften bis Ende dieses Jahres zu den Hauptthemen der Finanzmärkte werden. Entsprechend wird die Risikoaversion ansteigen, was einen Rückschlag bei Risikoanlagen wahrscheinlich macht. Die Wachstumsverlangsamung führt dazu, dass die Gewinnschätzungen in den kommenden Monaten deutlich nach unten revidiert werden müssen. Bei den Aktien sind entsprechend relativ stabile Sektoren wie Verbrauchsgüter, Gesundheit und Telekommunikation zu favorisieren. Für die Anleihenrenditen bedeutet dies einerseits eine Weiterführung des Abwärtstrends, andererseits aufgrund der hohen konjunkturellen Unsicherheiten grosse Schwankungen in den Renditen. Bei den Währungen sind weiterhin sichere Häfen wie der Schweizer Franken, japanische Yen und US-Dollar gefragt. Mit steigenden Rohstoffpreisen ist nicht zu rechnen. Einzig Gold könnte sich positiv abheben. Bei den Immobilien gibt es grosse regionale Unterschiede. Immobilienanlagen mit Aktiencharakter profitieren zwar von tiefen Zinsen, dürften aber unter einem schwindenden Risikoappetit leiden.

Die makroökonomischen Daten für das dritte Quartal 2010 bestätigen die Erwartung, dass die globale Wirtschaft den Zenit der Erholung überschritten hat. Während sich China bereits vor den USA verlangsamt hat, folgt Europa mit einem Quartal Verzögerung. Trotz bislang robuster Konjunkturdaten, lassen Frühindikatoren eine Wachstumsbremsung erwarten. Zwar haben die Investitionen angezogen, die Endnachfrage konnte aber kaum zulegen. In den USA scheint sie sich mittelfristig sogar auf einem Abwärtstrend zu befinden. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in anderen Ländern, deren Konsum in den letzten Jahren durch eine Immobilienblase künstlich angehoben wurde. Da sich die US-Wirtschaft gemäss Schätzungen der Bank Sarasin wohl nur noch eine Rezession von einer Deflation weg befindet, dürfte die Deflationsdebatte gegen Ende des Jahres noch stärker in den Fokus der Anleger rücken. Auch wenn es den USA, voraussichtlich gelingen wird, mit erneuten fiskal- und geldpolitischen Massnahmen eine Deflation zu verhindern, so dürfte ein über mehrere Jahre niedriges Wachstum dennoch auf die Bewertung der Aktienmärkte drücken.

Dr. Jan Amrit Poser, Leiter Research und Chefökonom der Bank Sarasin
"Es wird noch eine Weile dauern, bis die Exzesse der Kreditblase ausgestanden sind. Eine nachhaltige Konjunkturentwicklung wird erst möglich sein, wenn sich der Konsum von seinen Fesseln befreien kann. Dafür müssen sich erst die Kreditvergabe, die Immobilienpreise und der Arbeitsmarkt stabilisieren. Davon ist gemäss unseren Analysen frühestens im zweiten Halbjahr 2011 auszugehen. Ab dem zweiten Quartal 2011 können wir erste Anzeichen für einen erneuten Aufschwung erwarten."

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin
"Während niedrige Zinsen in den Köpfen vieler Börsianer aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahrzehnte als positiv für Aktien eingestuft werden, dürfte aufgrund der akuten Deflationsgefahren ein Umdenken stattfinden. Wir denken, dass fallende Zinsen auf dem heutigen Niveau nicht als gutes Omen für die Aktienmärkte, sondern vielmehr als Warnsignal gewertet werden sollten."

  

Deflationsängste statt Aufschwung
Angesichts der Tatsache, dass sich die Inflation im gesamten OECD-Raum auf einem historischen Tiefststand befindet, führen "Double-Dip-Rezessionsängste" rasch zu Deflationssorgen. Schon jetzt sind die industriellen Kapazitäten noch weit von ihrer Vollauslastung entfernt und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) befindet sich noch unter seinem Potenzial. Eine erneute Rezession würde zu einer weiteren Öffnung der Output-Lücken beitragen und den Druck auf die Preise noch erhöhen. Obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass die Weltwirtschaft in eine Deflation fällt, geht die Bank Sarasin davon aus, dass die Deflation in den kommenden Quartalen ein Thema sein wird. Eine allfällige kritische Phase liesse sich mit erneuten fiskal- und geldpolitischen Impulsen überbrücken. Eine nachhaltige Konjunkturentwicklung wird jedoch erst möglich sein, wenn sich der Konsum wieder positiv entfaltet. Dafür müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Erstens muss sich der Arbeitsmarkt erholen und zur Einkommensbildung beitragen. Zweitens bedarf es einer Stabilisierung der Immobilienpreise um die Entwertung der Vermögen zu stoppen. Drittens sollte die Kreditvergabe einen Boden finden, um den finanziellen Spielraum der Haushalte zu erhöhen. Erste Anzeichen für einen erneuten Aufschwung sind im zweiten Quartal 2011 zu erwarten.

Anleihen als Stabilisatoren im Portfolio
Rezessions- und möglicherweise auch Deflationsängste auf der einen Seite und ein Comeback der Euroland-Schuldenkrise auf der anderen Seite sind auch im Anleihenmarkt die dominierenden Themen. Für die globalen Anleihenmärkte bedeutet dies zweierlei: Erstens dürften die Anleihenrenditen in der Tendenz noch weiter zurückgehen und zweitens ist mit einer hohen Volatilität an den Anleihenmärkten zu rechnen. Die rekordtiefen Zinsen haben die Befürchtung genährt, dass sich im Markt für Staatsanleihen eine Blase bilden könnte. Ein Blick über den Konjunkturzyklus hinaus zeigt jedoch, dass die hohen Anleihenpreise durch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten gerechtfertigt sind. Den Anleihen drohen längerfristig darum kaum Gefahren. Die Tiefstzinsphase dürfe zeitlich begrenzt sein. Ab dem zweiten Quartal 2011 erwartet die Bank Sarasin eine Trendumkehr in den vorlaufenden Indikatoren. Dies wird einerseits zu einem Anstieg der Anleihenrenditen führen, andererseits dürfte auch die Volatilität zurückgehen, da der Ausblick für die Weltwirtschaft mit weniger Unsicherheiten behaftet sein wird.

Gefragt sind stabile Währungen
Die Vorbehalte gegenüber der europäischen Einheitswährung sind nicht restlos aus dem Markt verschwunden. Aufgrund der Finanzierungsprobleme im irischen Bankensystem sind die prekären Staatsfinanzen einiger peripherer Länder in Euroland wieder stärker in den Fokus der Anleger gerückt. Dies resultierte in einem Anstieg der langfristigen Zinsen dieser Defizitländer. Solange die peripheren Euroland-Länder keine Fortschritte ihrer Konsolidierungsmassnahmen vorweisen können, bleiben die Zweifel an der Nachhaltigkeit ihrer Staatsfinanzen bestehen. Bis ins erste Quartal 2011 dürfte die Risikoaversion der Finanzmarktteilnehmer der hauptsächliche Treiber der Währungen bleiben. Gefragt sein werden daher weiterhin sichere Häfen wie Schweizer Franken, Yen und US-Dollar. Sobald sich die Rezessionsängste auf Euroland ausweiten, dürften die Finanzmärkte auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) eine expansivere Geldpolitik erwarten, was den Euro entsprechend belasten wird.

Defensive Dividendentitel ins Depot
Von der konjunkturellen Seite her weht den Aktien im vierten Quartal ein steifer Wind entgegen. Die Ergebnisse der Unternehmensgewinne für das dritte Quartal sollten zwar dank dem robusten globalen Wachstum noch positiv ausfallen, doch der Ausblick der Unternehmen dürfte bereits sehr verhalten sein. Da sich die Wachstumsverlangsamung in den nächsten Monaten immer deutlicher manifestieren wird, ist davon auszugehen, dass die Gewinnschätzungen für 2011 schon bald reduziert werden müssen. Aufgrund einer bankinternen Einschätzung der Gewinnentwicklung ist eine Reduktion von 10% bis Ende Jahr als realistisch zu betrachten. In diesem schwierigen Marktumfeld ist es sinnvoll Dividendenstrategien zu verfolgen, dabei darf der Aktienkurs aber nicht ausser Acht gelassen werden. Interessante Aktien sind im vierten Quartal besonders in defensiven Sektoren wie Verbrauchsgüter, Gesundheit und Telekommunikation zu finden. Zu erwarten ist, dass defensive Dividendentitel in diesem schwierigen Umfeld am besten abschneiden werden. Das Markt-Timing bleibt wichtig, doch die Abwärtsrisiken sind deutlich höher als das Aufwärtspotenzial der Aktienmärkte. Rezessionsängste und damit verbundene Deflationsgefahren werden auch im vierten Quartal die Aktienmärkte beschäftigen. Erst 2011 dürfte es an den Aktienmärkten wieder nachhaltig aufwärts gehen.

Risiken bei Rohstoffen und Immobilien
Rohstoffe und Immobilienanlagen entwickelten sich im dritten Quartal positiv. Mit zunehmendem konjunkturellem Gegenwind sind jedoch für Rohstoffe im vierten Quartal keine steigenden Preise mehr zu erwarten. Und auch die Ölpreise können kaum aus ihrem Preisband von USD 75 bis 85 pro Fass ausbrechen. Einzig Gold könnte sich in den nächsten Monaten positiv abheben. Die weltweiten Immobilienmärkte zeigen sich in sehr unterschiedlicher Verfassung. In den USA präsentiert sich der Immobilienmarkt nach anfänglichen Erholungszeichen bereits wieder negativ. Es wird damit gerechnet, dass die Preise im Winterhalbjahr nochmals um fünf bis zehn Prozent nachgeben könnten. Ähnliches gilt für Grossbritannien, Irland und Spanien, wo die Nachwirkungen der Finanzkrise wohl noch längere Zeit spürbare Auswirkungen haben werden. Demgegenüber stehen Hongkong, verschiedene Boomregionen in China, Singapur, Kanada, Frankreich und die Schweiz, deren Immobilienmärkte sich positiv entwickeln. Generell profitieren Immobilienanlagen mit Aktiencharakter von tiefen Zinsen, dürften aber unter einem schwindenden Risikoappetit leiden.


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