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Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin: Nachhaltige Länder mit höherer Rendite bei Staatsanleihen
25.07.2011Die Schuldenkrise hat die Kurse der Staatsanleihen vieler südeuropäischer Länder einbrechen lassen. Dabei sind auch die "traditionellen" Kreditratings an ihre Grenzen gestossen und wirken nicht mehr wie beabsichtigt als Indikation für die Zukunft. Wie die neue Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin & Cie AG zeigt, handelt es sich bei den betroffenen Ländern häufig um wenig nachhaltig agierende Volkswirtschaften. Dies hat einen negativen Einfluss auf die Performance der Staatsanleihen. Eine überaus positive Wertentwicklung verzeichnen demgegenüber Länder, die reich an Ressourcen sind und diese auch noch vergleichsweise effizient nutzen, wie beispielsweise einige Staaten aus Südamerika.
Die langfristige Zahlungsfähigkeit eines Landes hängt von der Realisierbarkeit zukünftiger Steuereinnahmen ab. Hierfür braucht es ein nachhaltiges Steuersubstrat, das in erster Linie in Form von künftigen Gütern und Dienstleistungen vorliegen muss. Dies ist einerseits abhängig von der Verfügbarkeit natürlicher, sozialer und wirtschaftlicher Ressourcen in einem Land und andererseits von der Effizienz der Ressourcenumwandlung in Güter und Dienstleistungen.
Nachhaltige Industrieländer sind krisenresistenter
Um die durchschnittliche Wertentwicklung von Staatsanleihen nachhaltiger und nicht nachhaltiger Industrieländer zu vergleichen, hat die Bank Sarasin den "World Government Bond Index" (WGBI) von Citigroup in zwei Gruppen aufgeteilt. 15 von insgesamt 25 im Index vertretenen Staaten sind gemäss dem Nachhaltigkeitsrating* als "nachhaltig" einzustufen, der Rest ist "nicht nachhaltig". Auffallend ist die unterschiedliche Entwicklung dieser beiden Gruppen ab Mitte 2009 und vor allem im Jahr 2010, was auf eine Kombination von Kursverlusten in Lokalwährung und negativer Wechselkursentwicklung zurückzuführen ist.
Im Überblick: Die Sarasin Nachhaltigkeitsmatrix von Ländern

Über die Verhältnisse gelebt
An der südlichen Peripherie von Europa sind die Kurse der Staatsanleihen infolge der Schuldenkrise zum Teil massiv eingebrochen. Die davon betroffenen Länder leben seit vielen Jahren nicht nur über ihre finanziellen, sondern auch über ihre ökologischen Verhältnisse. Dazu kommt eine bereits stattfindende und sich künftig noch verstärkende Überalterung der Gesellschaft. Ferner führt eine weniger effiziente Ressourcennutzung zu einer niedrigen Wettbewerbsfähigkeit. Auch bei den politischen und sozialen Rahmenbedingungen gibt es Defizite, wie z.B. die weit verbreitete Korruption oder die grossen Einkommensunterschiede in der Bevölkerung.
Euroschuldenkrise ist auch eine Ratingkrise
Es stellt sich die Frage, weshalb es für solche negativen Überraschungen, die z.B. den griechischen Staatsanleihen widerfahren ist, nicht schon im Vorfeld eine gewisse Indikation gab. Die "traditionellen" Kreditratings der grossen Ratingagenturen wurden jeweils beinahe parallel zum Wertverfall der Staatsanleihen laufend nach unten angepasst und waren mehr eine Begleiterscheinung der Gegenwart denn eine Indikation für die Zukunft. Genau an diesem Punkt setzt die Nachhaltigkeitsanalyse der Bank Sarasin an, indem sie versucht, Chancen und Risiken zu identifizieren, welche in den aktuellen Kursen noch nicht enthalten sind, sich aber mittel- bis langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit monetarisieren werden.
Nachhaltige Schwellenländer zeigen Stärke
Die unterschiedliche Wertentwicklung der Staatsanleihen ist unter den Schwellenländern noch augenfälliger als unter den Industrieländern. Bis auf eine kurze Periode während der globalen Finanzkrise haben sich Staatsanleihen von nachhaltigen Schwellenländern klar besser entwickelt als die von nicht nachhaltigen. Einen grossen Teil der nachhaltigen Schwellenländer machen südamerikanische Staaten aus. Aus der Nachhaltigkeitsperspektive sind diese in vielerlei Hinsicht das Gegenteil nicht nur von den nicht nachhaltigen Schwellenländern – wie beispielsweise China und Russland –, sondern auch von den krisengeplagten südeuropäischen Staaten. So leben die Südamerikaner weitgehend innerhalb ihrer ökologischen Verhältnisse und verfügen oftmals über Spielraum. Auch vom demografischen Wandel werden sie vergleichsweise verschont bleiben. Ihre Effizienz bei der Umwandlung von Ressourcen in materiellen Wohlstand, Bildung und Gesundheit kann sich im globalen Vergleich sehen lassen.
Leistungsfähige Staaten achten auf ihre Ressourcen
Die Problematik der Ressourcenknappheit wird sich in Zukunft eher verschärfen. Damit wird zwangsläufig der effizienten Nutzung der immer knapper werdenden Ressourcen mehr Bedeutung zukommen. Im globalen Wettbewerb werden nur Länder mit hoher Ressourcenverfügbarkeit und/oder -effizienz erfolgreich und leistungsfähig bleiben. Und erfolgreiche, leistungsfähige Länder sind eher in der Lage, ihre staatlichen Verpflichtungen – wozu auch die planmässigen Zins- und Tilgungszahlungen auf Staatsanleihen gehören – zu erfüllen. Eine häufige Begleiterscheinung dieser Leistungsfähigkeit sind ausserdem in der langen Frist tendenziell stärkere Währungen. Beides sind Argumente, welche die Gläubiger stark interessieren sollten.
* Für weitere Details bezüglich der Bewertungsmethodik der Nachhaltigkeitsmatrix der Bank Sarasin verweisen wir auf unsere im März 2010 publizierte Nachhaltigkeitsstudie "Die Welt in der Zwickmühle zwischen Wohlstand und Ressourcenschutz – Nachhaltigkeitsbewertung von Staatsanleihen".
| Die Studie "Nachhaltige Erfüllung staatlicher Verpflichtungen – Nachhaltigkeit und Performance von Staatsanleihen" der Bank Sarasin (Autor: Balazs Magyar) ist in deutscher und englischer Sprache gegen eine Schutzgebühr von CHF 50 resp. EUR 35 (für Kunden und Medien gratis) erhältlich bei: gabriela.pace@sarasin.ch. |
