Ein schlechter Sommer
Anleger sollten besser früher als zu spät Gewinne realisieren
23.04.2013
Das traditionelle "Sechseläuten", welches am letzten Montag in Zürich stattfand, verheisst nichts Gutes für den Sommer. Die Verbrennung des "Bööggs" dauerte mit über 35 Minuten am längsten seit 1988 und signalisiert nach der Volksweisheit wettermässig einen schlechten Sommer. Gleichzeitig knallte es letzte Woche an den Finanzmärkten und die deutlichen Rückschläge bei den Rohstoffpreisen lösten auch an den Aktienmärkten eine Korrektur aus. War dies nur ein kleiner Zwischenfall im Aufwärtstrend oder war es der Vorbote eines bevorstehenden schlechten Sommers?
Wie erwartet hat der Schweizer Marktindex anfangs April 2013 noch einmal Höchststände erreicht. Dies ist nicht erstaunlich, da der Monat April neben den Monaten März und Dezember historisch zu den besten Aktienmonaten gehört. Eine viel zitierte Börsenweisheit besagt denn auch, dass man Aktien im Mai verkaufen und im September wieder zurückkaufen sollte. In den letzten Jahren wäre es allerdings besser gewesen, jeweils bereits im März oder spätestens Ende April Aktien zu verkaufen und dann im Sommer zu deutlich tieferen Kurse wieder einzusteigen. Nach Einschätzung der Researchabteilung der Bank Sarasin hängt dieses Muster weniger mit den saisonalen Renditen sondern mit dem Konjunkturzyklus zusammen. Während die Makrodaten seit der Finanzkrise in den Wintermonaten immer positiv überraschten, kam es jeweils ab dem zweiten Quartal zu mehrheitlich negativen Überraschungen. Das gleiche Muster zeigt sich auch in diesem Jahr. Seit März 2013 kam es bei wichtigen Makroindikatoren zu negativen Überraschungen, d.h. die Daten lagen zum Teil deutlich unter den Erwartungen. Üblicherweise folgen die Aktienmärkte Makroüberraschungen mit einer leichten Verzögerung.
Neben den Makroüberraschungen hat die Bank Sarasin auch die Stimmungsindikatoren für die aktuelle Einschätzung der Aktienmärkte analysiert. Der proprietäre Stimmungsindikator der Bank Sarasin war im Februar sehr negativ für Aktien, hat sich nun aber zurück zum neutralen Niveau bewegt. Da die Börsen in Europa bereits stark korrigierten, dürfte sich aus der Anlegerstimmung kein Verkaufssignal mehr ergeben. Zur Vorsicht mahnt aber der steigende Trend im Volatilitätsindex. Ein steigender Trend signalisiert eine unterdurchschnittliche Performance von Aktien, da die Anleger aufgrund der erwarteten höheren Schwankungen ihre Risiken zurückfahren und ihr Aktienexposure reduzieren.
Die jüngste Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter globalen Vermögensverwaltern zeigt, dass die Aktiengewichtungen noch nicht angepasst worden sind. Die zu erwartenden negativen Makroüberraschungen, die grösseren Schwankungen an den Finanzmärkten sowie die überdurchschnittlich hohe Aktiengewichtung unter Anlegern mahnen zur Vorsicht für die kommenden Monate. Die Bank Sarasin empfiehlt deshalb, dieses Jahr nicht bis in den Mai zu warten, sondern lieber früher als zu spät die Gewinne mitzunehmen.
Philipp E. Bärtschi | Chefstratege
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